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76. Ausgabe - Mai 2026
Zwischen Mensch und Maschine
Berufe ändern sich, aber Ausbildung und Können bleiben wichtig.

Viele junge Menschen fragen sich heute, ob sich eine Ausbildung überhaupt noch lohnt. Die Sorge ist groß, dass Künstliche Intelligenz künftig immer mehr Aufgaben übernehmen könnte. Gleichzeitig entwickelt sich die Technik schneller als je zuvor. Umso wichtiger ist es, bei der Berufswahl nicht nur auf Prognosen zu schauen, sondern auf die eigenen Fähigkeiten, Interessen und Stärken.
In nahezu allen Berufen, vom Bäcker über den Metzger bis zur Reinigungskraft, kann man sich heute vorstellen, dass KI eingesetzt wird, um Arbeitszeit zu sparen oder Abläufe effizienter zu gestalten. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Mensch überflüssig wird.
Wer sich heute für eine Ausbildung entscheidet, sollte sich deshalb weniger von Zukunftsängsten leiten lassen, sondern sich selbst besser kennenlernen. Viel wichtiger als jede Prognose ist die Frage, was einem wirklich liegt. Was macht Freude? Wofür interessiert man sich? Wo liegen die eigenen Talente? Wer seine Stärken kennt, wird meist motivierter lernen, bessere Leistungen erzielen und langfristig zufriedener arbeiten.
Man muss wissen, was man will
Hilfreich kann es sein, sich selbst einfache Fragen zu stellen. Arbeite ich lieber mit Menschen oder mit Technik? Bin ich gerne kreativ oder eher praktisch veranlagt? Arbeite ich lieber im Team oder eigenständig? Auch Rückmeldungen von Eltern, Freunden oder Lehrern können helfen, die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen. Oft erkennen andere Talente, die man selbst unterschätzt.
Genau hier liegt auch eine Schwäche der KI. Sie kann Daten auswerten, Texte schreiben oder Berechnungen durchführen. Sie besitzt jedoch kein echtes Verständnis, kein Bauchgefühl, keine Lebenserfahrung und keine Verantwortung. KI ist kein fühlendes Wesen und kein Heilsbringer, sondern letztlich eine technische Apparatur, die auf Wahrscheinlichkeiten und riesigen Datenmengen basiert. Sie kann den Menschen unterstützen, aber nicht ersetzen.
Interessant ist dabei auch, wie Menschen mit KI umgehen. Laut einer internationalen Umfrage geben etwa zwölf Prozent der Nutzer an, besonders höflich mit KI Programmen zu sprechen, weil sie scherzhaft befürchten, Maschinen könnten sich eines Tages daran erinnern. Das zeigt, wie schnell Menschen dazu neigen, Maschinen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Tatsächlich besitzt KI jedoch weder Gefühle noch ein eigenes Bewusstsein.
Eine Ausbildung von etwa drei Jahren ist ein überschaubarer Zeitraum, wenn man einen Beruf erlernt. In dieser Zeit ist nicht zu erwarten, dass KI einen Ausbildungsberuf vollständig ersetzt. Mit einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung schafft man einen wichtigen Grundstein für das spätere Berufsleben. Arbeitgeber werden qualifizierte Fachkräfte weiterhin brauchen und entsprechend entlohnen. Persönlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, bleiben entscheidende Faktoren.
Ein Beispiel aus dem Handwerk zeigt, wie sich Berufe durch KI verändern können. Ein Möbelschreiner kann heute mit Unterstützung von KI eine Küche virtuell planen und für Kunden begehbar darstellen. Räume lassen sich digital vermessen, Möbel und Dekorationen schnell einfügen. Was früher viele Stunden dauerte, gelingt heute deutlich schneller. Die eigentliche handwerkliche Arbeit bleibt jedoch weiterhin Aufgabe des Menschen.
Eine Ausbildung ist deshalb mehr als das Erlernen einzelner Abläufe. Sie vermittelt Erfahrung, Verantwortung, soziale Fähigkeiten und den Umgang mit echten Menschen. Wer seine eigenen Stärken erkennt und bereit ist, sich weiterzuentwickeln, wird auch in einer sich wandelnden Arbeitswelt seinen Platz finden. KI kann dabei ein Werkzeug sein. Entscheiden, Verantwortung tragen und mitdenken muss am Ende aber immer noch
der Mensch. red
Anker 1
Oktober 25
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