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73. Ausgabe - Februar 2026

Wie sich die Vogelwelt zurückzieht

Wenn es leise wird, stehen große Veränderungen bevor

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Jeder Frühaufsteher kann es hören. Kurz nach Sonnenaufgang ist es vielerorts nicht mehr so laut wie früher. Das morgendliche Vogelgezwitscher, das über Jahrzehnte selbstverständlich war, ist leiser geworden. Was sich subjektiv anfühlt, wird nun auch durch Zahlen bestätigt.

Die Ergebnisse der aktuellen Wintervogelzählung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zeigen, dass es um viele Vogelarten in Deutschland schlecht steht. Vor allem häufige Arten, die lange als selbstverständlich galten, wurden deutlich seltener gezählt.

Besonders betroffen ist der Haussperling. Er verliert seit Jahren Lebensraum und Nahrungsquellen, vor allem in Städten und Dörfern. Auch Amsel und Star, einst typische Begleiter in Gärten und Parks, zeigen rückläufige Bestände. Bei der Feldlerche, einem Symbol der offenen Landschaft, setzt sich ein Abwärtstrend fort, der bereits seit Jahrzehnten anhält.

Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig. In der Landwirtschaft werden nach wie vor Pestizide und Herbizide eingesetzt, die Insekten vernichten. Doch Insekten sind die wichtigste Nahrungsquelle für viele Vogelarten, besonders während der Brutzeit. Wo das Insektenangebot fehlt, fehlen bald auch die Vögel.

Hinzu kommt der Verlust von Lebensräumen. Hecken, Feld-raine und artenreiche Wiesen verschwinden. Gärten werden zunehmend versiegelt oder pflegeleicht gestaltet, oft ohne heimische Pflanzen. Alte Gebäude mit Nischen und Brutplätzen werden saniert oder abgerissen. Was für Menschen modern wirkt, bedeutet für Vögel den Verlust von Rückzugsorten.

Auch der Klimawandel spielt eine Rolle. Mildere Winter und extreme Wetterereignisse bringen die natürlichen Rhythmen durcheinander. Zugvögel kehren zu früh oder zu spät zurück, Nahrung und Brutzeit passen nicht mehr zusammen.

Der Rückgang der Vogelwelt ist deshalb kein isoliertes Problem. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich ganze Ökosysteme verändern. Wenn es stiller wird, betrifft das nicht nur die Vögel, sondern die biologische Vielfalt insgesamt. 


Was wir dagegen tun können

Der Rückgang der Vogelwelt ist kein Schicksal, dem man tatenlos zusehen muss. Viele Maßnahmen lassen sich direkt vor Ort umsetzen und zeigen Wirkung.

Gärten naturnah gestalten
Heimische Sträucher, Wildblumen und Stauden bieten Nahrung und Schutz. Auf Schottergärten und versiegelte Flächen sollte verzichtet werden. Schon kleine, strukturreiche Gärten können wichtige Rückzugsräume sein.

Auf Pestizide verzichten
Chemische Pflanzenschutzmittel töten Insekten und entziehen Vögeln ihre Nahrungsgrundlage. Naturnahe Pflege stärkt das ökologische Gleichgewicht und fördert Artenvielfalt.

Nistplätze erhalten und schaffen
Alte Bäume, Hecken und Gebäudenischen sollten geschützt werden. Nistkästen können helfen, fehlende Brutplätze auszugleichen, besonders in Städten und Siedlungen.

Vielfalt auf dem Teller fördern
Wer regional, saisonal und möglichst biologisch einkauft, unterstützt eine Landwirtschaft mit weniger Pestiziden und mehr Lebensraum für Tiere.

Öffentliche Flächen umdenken
Gemeinden können durch extensivere Pflege von Grünflächen, Blühstreifen und Ackerrandstrukturen Lebensräume zurückbringen, ohne großen finanziellen Aufwand.

Beobachten und melden
Vogelzählungen und Meldungen an Naturschutzverbände helfen, Entwicklungen früh zu erkennen. Jede Beobachtung trägt dazu bei, Schutzmaßnahmen gezielter umzusetzen.

Anker 1
Oktober 25
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