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77. Ausgabe - Juni 2026

Wenn das Handy das Leben bestimmt

Wie Eltern wieder Zugang zu ihren Kindern finden

Viele Eltern kennen die Situation. Ihr Kind sitzt am Tisch, das Handy liegt daneben. Eine Nachricht erscheint, ein Video startet, die Aufmerksamkeit ist weg. Versucht man das zu unterbinden oder gar das Gerät wegzunehmen, endet das Gespräch oft im Streit. Doch Psychologen warnen, das Problem allein mit Verboten lösen zu wollen.
Experten empfehlen, zunächst das Gespräch zu suchen. Nicht mit Vorwürfen wie „Du hängst ständig am Handy“, sondern mit ehrlichem Interesse. Was schaust du dir an? Welche Inhalte findest du am spannendsten? Welchen Personen folgst du und warum? Was fasziniert dich an Social Media? Kinder öffnen sich, wenn sie sich ernst genommen und verstanden fühlen und nicht glauben, dass sie verhört oder für ihr Verhalten kritisiert werden.

Ebenso wichtig ist die ehrliche Selbstreflexion der Eltern. Wer selbst beim Essen ständig auf sein Smartphone blickt, jede freie Minute zum Bildschirm greift oder Gespräche immer wieder durch digitale Ablenkungen unterbricht, wird es schwer haben, Regeln aufzustellen, an die sich die Kinder auch halten. Kinder orientieren sich am Verhalten ihrer Eltern stärker als an deren klugen Ratschlägen.

Manche Therapeuten empfehlen deshalb regelmäßige Familiengespräche. Dabei geht es nicht darum, das Kind an den Pranger zu stellen. Stattdessen reflektiert die ganze Familie ihr eigenes Medienverhalten. Jeder beantwortet dieselben Fragen: Wie oft greife ich täglich zum Handy? Wie viele Stunden verbringe ich damit? Wofür nutze ich es hauptsächlich? Wann nervt mich mein eigenes Handy? Wann fühle ich mich online gestresst? Was macht mir außerhalb der digitalen Welt Freude? Was wünsche ich mir von meiner Familie?

Solche Gespräche können helfen, gegenseitiges Verständnis aufzubauen. Das Kind erkennt, dass nicht nur sein Verhalten hinterfragt wird. Auch die Eltern beschäftigen sich kritisch mit ihrem eigenen Umgang mit digitalen Medien. Ein Ergebnis könnte sein, dass man an einem Tag bewusst gemeinsam etwas unternimmt und versucht, mit so wenig Handynutzung wie möglich auszukommen. Gänzlicher Verzicht wird in unserer Zeit kaum möglich sein. Betrachtet man jedoch die Rolle, die Smartphones inzwischen im Alltag vieler Menschen spielen, wird schnell deutlich, wie abhängig wir von ständiger Erreichbarkeit geworden sind.

Besonders aufmerksam sollten Eltern werden, wenn sich Kinder zunehmend zurückziehen. Warnsignale können sein, dass Freundschaften oder Hobbys vernachlässigt oder aufgegeben werden oder die schulischen Leistungen sinken. Auch Schlafprobleme, ständige Gereiztheit, auffällige Traurigkeit oder das Vermeiden von Gesprächen können gute Hinweise darauf sein, dass die Auswirkungen des Medienkonsums genauer hinterfragt werden sollten. Erste Anzeichen von Selbstverletzungen sollten ebenso ernst genommen werden wie der Verdacht auf eine Depression oder das zunehmende Abbrechen sozialer Kontakte. Je früher Eltern reagieren und das Gespräch suchen, desto besser sind die Chancen, negative Entwicklungen zu erkennen und gegenzusteuern.

Nicht jedes Kind, das viel Zeit am Smartphone verbringt, ist süchtig oder psychisch krank. Entscheidend ist die Frage, ob das Handy beginnt, das echte Leben zu verdrängen. Genau dort verläuft die Grenze, auf die Eltern achten sollten.

Dass technische Sperren oder Verbote nicht die einzige Lösung sein können, zeigt das Beispiel Australien. Dort dürfen Jugendliche unter 16 Jahren keine eigenen Social-Media-Konten mehr besitzen. Die Praxis zeigt jedoch, dass solche Regelungen nicht immer die gewünschte Wirkung entfalten. Viele Jugendliche finden Wege, die Sperren zu umgehen, etwa durch fremde Zugangsdaten, falsche Altersangaben oder Konten älterer Geschwister. Das eigentliche Problem wird dadurch oft nur verlagert.

Entscheidend bleibt die Beziehung. Kinder brauchen Erwachsene, die hinschauen, zuhören, Interesse zeigen und auch dann im Gespräch bleiben, wenn es schwierig wird.                                                                                                                                                                       
red

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Oktober 25
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