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79. Ausgabe - September 2026

Unser innerer Kompass

Wie wir herausfinden, was uns wirklich wichtig ist und welche Richtung zu uns passt

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Was heute alles auf uns einwirkt, kann einem manchmal die Kraft rauben. Krieg, wirtschaftliche Sorgen, politische Auseinandersetzungen, Klimawandel, soziale Medien und die täglichen Probleme im eigenen Leben. Ständig kommt etwas Neues hinzu. Man beschäftigt sich damit, ärgert sich, macht sich Sorgen und fragt sich irgendwann, wohin die Reise eigentlich geht.

Vielleicht ist genau dann der richtige Zeitpunkt, nicht noch mehr nach außen zu schauen, sondern einmal nach innen. Ein Kompass ist dafür ein schönes Bild. Seine Nadel zeigt nach Norden. Sie sagt uns aber nicht, dass wir dorthin gehen sollen. Wer in den Urlaub nach Süden möchte, nutzt dieselbe Nadel. Erst weil er weiß, wo Norden liegt, kann er seine eigene Richtung bestimmen. Auch im Leben brauchen wir solche Bezugspunkte. Nur sind sie schwieriger zu erkennen. Es gibt keine Nadel, die uns sagt, was uns wichtig ist. Wir müssen es selbst herausfinden.
Was ist eigentlich mein Kern?

Diese Frage klingt zunächst ziemlich groß. Vielleicht ist sie sogar zu groß, um sie spontan beantworten zu können. Familie? Gesundheit? Freiheit? Ehrlichkeit? Sicherheit? Liebe? Schnell fallen uns Begriffe ein, von denen wir gelernt haben, dass sie wichtig sind. Aber gehören sie tatsächlich zu unserem eigenen Kern?

Vielleicht lässt sich das leichter herausfinden, wenn wir weniger darüber nachdenken, was uns wichtig sein sollte, und genauer beobachten, was in uns passiert. Wohin wandern unsere Gedanken, wenn wir einfach vor uns hin denken? Zum Partner, zu den Kindern, zum Bruder, zum Vater oder zu einem guten Freund? Beschäftigt uns die Arbeit? Denken wir über Geld nach, über den Krieg, unsere Gesundheit oder vielleicht über die Katze, die gerade neben uns liegt?

Entscheidend ist nicht nur, woran wir denken. Interessanter ist die Frage, warum es uns beschäftigt. Wer ständig über seine Arbeit nachdenkt, hängt vielleicht nicht besonders an seinem Beruf. Vielleicht stört ihn etwas, weil es nicht zu seinen eigenen Vorstellungen passt. Ein anderer arbeitet viel und merkt dabei, wie gerne er etwas erschafft. Zwei Menschen tun äußerlich dasselbe und trotzdem kann etwas völlig anderes dahinterstecken.                 
Das Fitnessstudio kann Spaß machen und Kraft geben. Aber vielleicht hat der Moment, in dem man seinem Enkel etwas beigebracht hat, eine ganz andere Bedeutung. Beides fühlt sich gut an. Nur auf unterschiedliche Weise. Genau solche Unterschiede können uns etwas über unseren Kern erzählen.


Ein guter Freund kann mehr sehen
Manchmal kennen andere Seiten an uns, die wir selbst kaum noch wahrnehmen. Vielleicht gibt es in Ihrem Leben einen Menschen, den Sie nachts um drei Uhr anrufen würden, wenn wirklich etwas passiert ist. Einen Menschen, vor dem Sie sich nicht verstellen müssen. Das kann der Partner sein, die Schwester, der Bruder oder ein wirklicher Freund.

Warum nicht diesen Menschen einmal fragen, wie er uns sieht? Dazu braucht es etwas Mut. Denn ein echter Freund sagt möglicherweise nicht nur das, was wir gerne hören möchten. Gerade darin liegt der Wert eines solchen Gesprächs. Vielleicht bei einem Spaziergang, auf der Terrasse oder bei einem Glas Wein. Ohne großes Programm. Drei Fragen reichen.

Drei Fragen an einen Menschen, der mich wirklich kennt
Was glaubst du, ist mir wirklich wichtig? Wann erlebst du mich so, wie ich wirklich bin? Was würde überhaupt nicht zu mir passen? Vielleicht nehmen Sie diese drei Fragen einfach mit.


Die eigene Richtung erkennen
Wenn wir unseren Kern etwas besser kennen, können wir auch andere Bereiche unseres Lebens betrachten. Wie fühle ich mich in meiner Partnerschaft? Wie geht es mir in meiner Familie? Passt meine Arbeit noch zu mir? Welche Freundschaften tun mir gut? Und wie gehe ich eigentlich mit mir selbst um? Dabei geht es nicht darum, bei jedem unguten Gefühl gleich alles zu verändern. Manchmal braucht es nur ein Gespräch. Manchmal eine Grenze. Manchmal müssen wir etwas aussprechen, das wir lange vor uns hergeschoben haben.
Entscheidend ist zunächst, überhaupt zu erkennen, warum sich etwas richtig oder falsch anfühlt.

Vielleicht würden wir einen Freund niemals verraten. Vielleicht würden wir einen anderen Menschen nicht betrügen, nur um mehr Geld zu verdienen. Vielleicht könnten wir einen Schwächeren nicht einfach im Stich lassen. Solche Entscheidungen erzählen viel über uns. Sie zeigen, wo unsere persönlichen Grenzen liegen und woran wir unser Handeln messen. Wer seinen eigenen Kern kennt, muss deshalb noch lange nicht alle Antworten kennen. Aber Entscheidungen können leichter werden. Der innere Kompass nimmt uns die Entscheidung nicht ab. Er hilft uns dabei, unsere eigene Richtung zu erkennen. 


Vor der eigenen Haustür anfangen
Vielleicht brauchen wir diese Orientierung heute besonders. Die großen Probleme unserer Zeit können wir als Einzelne kaum lösen. Wer jeden Tag nur darauf schaut, was alles schiefläuft, kann irgendwann das Gefühl bekommen, ohnehin nichts verändern zu können.
Doch wir müssen nicht mit der ganzen Welt anfangen. Wir können bei uns selbst beginnen. Bei einem Gespräch. Einer Entscheidung. Einem Menschen, dem wir helfen. Einer Sache, die wir anders machen möchten. Denn wer seine eigene Richtung kennt, kann den ersten Schritt selbst bestimmen. Wer auf bessere Zeiten wartet, überlässt anderen auch seine Zukunft.


Verändere die Welt vor deiner Haustür. Dann verändert sich auch die gnaze Welt ein kleines Stück.

Oktober 25
Anker 1
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